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Dienstag, 3. Februar 2015

Düsseldorf, K20 - Kunstsammlung NRW

Um es vorwegzunehmen: Eine atemberaubende Ausstellung von Kunst des 20. Jahrhunderts.


K20 -
Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen am Grabbeplatz
Foto: Vera Kriebel, 2012

K20 - Sammlung Klassische Moderne in Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2010






Präsentationskonzept: Große, weite Säle für große Kunst des 20. Jahrhunderts

Das K20 am Rand der Altstadt ist der älteste der drei Standorte der Kunstsammlung NRW und zeigt eine Übersicht über die Klassische Moderne mit Werken des Expressionismus und Kubismus, Surrealismus, Informel, dem abstraktem Expressionismus, der Farbfeldmalerei.

Atemberaubend ist die K20-Ausstellung nicht allein wegen der Fülle und Qualität der ausgestellten Werke, sondern auch aufgrund ihrer großzügigen Präsentation. Da wird - anders beispielsweise als das gerade wieder eröffnete Museum Ostwall in Dortmund - nicht kleinkariert jede Wand und jeder Raum vollgestopft mit Reihen Bild an Bild. Große, helle Säle, manchmal nur mit vier - nicht einmal besonders großformatigen - Bildern, - selbst wenn mit Zwischenwänden abgetrennt - weite offene Räume, in denen der Blick weit schweifen kann und die auch begangen werden müssen, um sich den Kunstwerken zu nähern (siehe Fotos unten).

Blumige Deckenkonstruktion


Ob die Säle nicht vielleicht im Zusammenspiel von Beleuchtung, weißen Wänden und dem hellen Granitboden oder trendigen Laminatboden im Grundton etwas zu hell geraten sind und ob sie tatsächlich im Altbau über einen ein wenig sehr geziert blumig-geschwungenen beleuchteten Himmel (siehe Foto 1 links) verfügen müssen, ist Geschmackssache.

Die modernen Meister im Altbau des K20

Neubau: Helle, großzügige Präsentation im neuen K20


Manche mögen da die klaren, einfachen Formen im Museum Kunstpalast bevorzugen, die sich auch im neuen Anbau des K20 finden (Foto 2 rechts). Die Säle beider Museen betonen mit ihrem Licht-, Saal- und Ausstellungsdesign ihre Verwandtschaft - ein sehr cleverer Zug, bei den Düsseldorfer Kulturinstitutionen eine gemeinsame Note und damit einen Wiedererkennungswert (modern talking: als Teil der Corporate Identity (CI)) zu schaffen.

Aus den 80er Jahren: K20-Gebäude am Grabbeplatz

Allerdings ist fraglich, ob der Bau der Kunstsammlung am Grabbeplatz "mit seiner charakteristischen schwarzen Granitfassade … einen noblen und zurückhaltenden Bau mit zeittypischen architektonischen Details," darstellt, "der der herausragenden Qualität der Kunstwerke den Vortritt lässt" (wie es die Kunstsammlung-Website recht euphemistisch formuliert) - ist der schwarze Klotz doch - zumindest auf die Frontseite bezogen vom Grabbeplatz betrachtet - eher eine Mahnmal für eine städtebauliche Horrorepoche. Mit dem dunklen, höhlenartigen Eingang wirkt er außerdem nicht einladend, sondern abweisend (siehe Foto 5 unten).

Rundgang durchs K20: Wege zur modernen und zeitgenössischen Kunst

Die Dauerausstellung befindet sich im ersten und zweiten Obergeschoss. Am besten man fängt oben im zweiten Stock an, da dort die früheren Werke ausgestellt sind, so dass der Rundgang tendenziell zeitlich vorgeht. Allerdings: Das Ordnungsprinzip des K20 ist für den Besucher nicht auf Anhieb einsehbar. Es geht nicht einfach nur voran vom Anfang bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, oder doch: es geht schon "voran", aber durch die zwar offenen, aber ineinander verschachtelten Räume in Schritten und Sprüngen, und nicht nur chronologisch vor, sondern manchmal auch wieder zurück.

Moderne Kunst: Impressionisten, Realismus, Surrealismus, Kubismus …

Ein im Uhrzeigersinn mit dem rechten Saal im zweiten Stock beginnender Rundgang findet unter anderem ein paar impressionistische Spätwerke, dann auf verschlungenen Pfaden die klassische Moderne: die Expressionisten wie Nolde, Klee (diesem wird später noch ein ganzer Raum gegeben), Macke, Bonnard, dem 2010 omnipräsenten Kirchner, Léger, Kubisten mit Picasso, Feininger, danach geht es zu Otto Dix, Chagall, Beckmann, Schlemmer, abstrakte Werke von Kandinski, Miró, wieder Picasso und Mondrian, zu den Surrealisten wie di Chirico, Max Ernst (dieser auch mit einigen Skulpturen), Magritte, Dali, Oelze, Yves Tangay, ein Raum nur für Julius Bissier mit farbigen und schwarz-weißen Zeichnungen, die ganz und gar krausen Lithografien von Gerhard Altenbourg.

Entdeckt: Skulpturen von Max Ernst 

Neben Paul Klee bilden die - in der Sammlung verstreuten - Skulpturen von Max Ernst Brennpunkte im K20 - und sind für die Autorin eine regelrechte Kunst-Entdeckung.

Und, sicher: Beuys darf natürlich in Düsseldorf nicht fehlen. Weiter zu Richter, Anthony Caro, Gursky, Imi Knoebel, Konrad Klapheck, Emil Schumacher, Alberto Burri, Antoni Tápies, von dem ja der Name Informel stammt ...


Max Ernst im K20
Foto: Vera Kriebel, 2011
Palazzo Regale
Joseph Beuys im K20
Foto: Vera Kriebel, 2010


Dann geht es zum Ende des Jahrhunderts, in die Gegenwart: Gerhard Richter mit eigenen Bereichen, Rosemarie Trockel ist mit einigen (eher mäßig spannenden) Werken vertreten, Francis Bacons gewohnt unspannende Portraits und Selbstportrait-Tryptychen, wie unter Dope oder zumindest Alk (wirken sie doch wie durch eine (leere!) Glasflasche gesehen) gemalt ...

Zum krönenden Abschluss die Wendeltreppe hinunter in den ersten Stock (siehe Fotos) in den "Amerikaner-Saal" mit - wie in einigen anderen Sammlungssälen ebenfalls - wechselnden amerikanischen "Klassikern", zum Beispiel dem monumentalen No. 32 von Jackson Pollock oder Mark Rothko und Andy Warhol.

Amerikaner-Saal im K20

 

Infos zum K20 in Düsseldorf


Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen hat drei Standorte: Neben dem K20 am Grabbeplatz gibt es das K21 (Ständehaus) am Graf-Adolf-Platz (Kaiserteich) mit Schwerpunkt Kunst des 21. Jahrhunderts und seit 2010 ganz in der Nähe des K20 das F3 Schmela-Haus in der Düsseldorfer Altstadt für Symposien und Ausstellungen.
  • Adresse/Kontakt: Kunstsammlung NRW, K20, Grabbeplatz. 5, 40213 Düsseldorf, Tel. 0211/ 83 81-204. Neben der beschriebenen Dauerausstellung gibt es auch große Sonderausstellungen (zum Beispiel bis 19.6.2011 Fotografien von Thomas Struth).
  • Anfahrt: Am besten mit dem ÖPNV vom Hauptbahnhof: mit den U-Bahnen U70, U74, U75, U76, U77, U78, U79 bis Haltestelle Heinrich-Heine-Allee. Von dort sind es nur etwa 300 Meter Fußweg. Mit dem PKW: Parken in der Tiefgarage unter dem K20 am Grabbeplatz. Anfahrtslageplan. Zwischen K20 und K21 verkehrt regelmäßig der kostenlose Mercedes Shuttle.

K20 Öffnungszeiten und Eintrittspreise

  • Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa + So 11-18 Uhr, jeden 1. Mittwoch im Monat 10 - 22 Uhr. Montags geschlossen (außer an Feiertagen).
  • Eintrittspreise: 12,- Euro (ermäßigt 10,00). Eintritt für Kombiticket K20 + K21 mit Sonderausstellungen variiert um ca. 18,- Euro (erm. 14,00 Euro). Schüler und Kinder zwischen 6 und 18 Jahren 2,50 (Kombiticket 4,00 Euro). 
  • Kostenloser Eintritt an jedem 1. Mittwoch im Monat von 18 - 22 Uhr und am Linklater Thementag (s.u.).
  • Website.
  • Veranstaltungskalender.
  • Sammlung online: Die Kunstwerke der Kunstsammlung NRW online - bislang noch unvollständig.
  • Virtuelles Museum mit Bildern zur Kunstsammlung NRW und kurzen Erläuterungen zu den Kunstwerken.
  • Begleitprogramm für Erwachsene, Schüler, Kinder, Lehrer, Erzieher, Schulklassen, Vorschul- und Grundschulgruppen: Führungen, Vortragsreihen, Lesungen, Performanceabende, Gespräche und so weiter. Am besten man schaut hierfür online in den Veranstaltungskalender oder lädt sich das Quartalsprogramm herunter (Download über die Veranstaltungs-Einstiegsseite). Außerdem Multimediaguides, verschiedene Kurzführer und Ausstellungsmagazine.
  • Linklaters Thementag: Eintritt frei! Dreimal im Jahr: Familientage mit Workshops für Kinder und Diskussionen für die Eltern.
  • KPMG Kunstabend: Nicht nur Lesungen oder Themenführungen, sondern auch Tanz in den Mai (am K21). Der KPMG Kunstabend findet an jedem 1. Mittwoch im Monat statt (18-22 Uhr). Eintritt frei.

Nicht vergessen: Einmal im Jahr ist Lange Nacht der Museen in Düsseldorf (im Jahr 2015 am 14. März 2015). Der Eintritt kostet 12,- Euro (Stand: 2011) und gilt nicht nur für die drei Standorte der Kunstsammlung NRW, sondern für über vierzig Museen und Galerien, wo nebenbei Live-Musik, Theater, Performances, Lesungen und vieles mehr veranstaltet werden. Hin und her kommt man mit kostenlosen Shuttle-Bussen.

Jackson Pollock No. 32
K20 in Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011
Mark Rothko
K20, Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011



Eingang zu den Expressionisten
K20, Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011

K20 in Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011
K20 in Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011
K20
Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011
K20 in Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011

Museumscafé Lokal Lieshout
K20 in Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011
K20 in Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011
Kunstsammlung NRW, K20, Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011
Konrad Klapheck
K20, Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011
Gerhard Richter
K20, Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011

K20, Düsseldorf
Foto: Vera Kriebel, 2011

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